29.07.2017 Ingolstadt

29. Juli 2017

29.07.2017 Ingolstadt

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Dramatik pur. Nathanael Bordne schnappt sich Bronze

 

Ingolstadt LogoZum Ferienbeginn erwartete die Leichtathletik-Freunde in der Region Ingolstadt ein besonderer Leckerbissen. Im MTV-Stadion fanden am Samstag und Sonntag die Süddeutschen Meisterschaften der Junioren U23 und der Jugend U16 statt. Bei fast optimalen äußeren Bedingungen stand der Hochsprung-Wettkampf zu Beginn der Veranstaltung unter einem unglücklichen Stern. Die mit weit über 1200 Teilnehmern größte Stadionveranstaltung bayernweit wartet dabei nicht nur mit Masse auf.

Nathanael Bordne, nur 15 Jahre alt, galt bei den Süddeutschen Meisterschaften in Ingolstadt als krasser Außenseiter. Für Trainer Gilgien nichts neues. Erinnerungen wurden wach, damals, als der Trainer noch bei LG Neckar-Erms tätig war, und drei Titel in vier Jahre holte, ausgerechnet in der Disziplin Hochsprung.

Bei bester Laune und hoch motiviert war Nathanael Bordne M15 an diesem Samstag am Start. Innerhalb zwei Wochen nach seinem ersten Platz bei den Regio-Titelkämpfen und beim Hochsprung-Meeting im Musberg, gab Nathanael im Hochsprung eine weitere Probe seiner derzeitigen tollen Form ab.  Am Freitag wurde auf dem Sportplatz von Hohenheim noch trainiert, um den Muskeltonus etwa zu minimieren. Nicht genug für Trainer Gilgien. Mehr als die Hälfte der Teilnehmer auf der Meldeliste, statistisch betrachtet, haben Anfang der Freiluftsaison ihre besten Leistungen gebracht. Dann war alles klar. Es wird zu einem Lotteriespiel kommen……..

In Ingolstadt konnte man leicht feststellen, dass jeder eine unterschiedliche Tageszeit hat, zu der er in Topform ist. Wann der beste Moment zum Bäume ausreißen gekommen ist, hängt vom individuellen Biorhythmus ab, wenige Stunden können da viel ausmachen. Im Sport kann die richtige Startzeit sogar den Ausschlag geben für Sieg oder Niederlage. Für viele Anwesenden war die hohe Erwartungshaltung lähmend, so blieb das Potenzial ungenutzt.

Das Warm Up auf dem Kunstrasen wurde Nathanael verboten,was für den Trainer sowieso klar war. Im Gegensatz zum Tartanbelag ist das gleich ein Kuhmist Boden, so die Erklärung des Trainers. Damit ein Kunstrasen nicht stumpf wird, muss er ausreichend gewässert werden, doch in der Sommerhitze verdampft das Wasser schnell. Der Körper wird auf Kunstrasen anders beansprucht und definitiv mehr belastend. Aber die Dosierung der Belastung ist auf Rasen sowieso anders, als auf Kunstrasen. Aber nicht wegen der Technik sondern wegen der Koordination (Differenzierung).

Bei der Anfangshöhe (1,65) trat Nathanael energisch und tatkräftig den Wettkampf an. Unerklärlich, aber ziemlich unruhig leistete er sich im ersten Versuch einen heftige Ausrutscher. Lag es am Material (9mm Spikes) oder an der Nervosität?  Auf diesem Level bei einer Teilnahme, wie bei den Süddeutschen Meisterschaften, war die Erfahrung von den jungen Athlet gleich null. Im zweiten Versuch konnte Nathanael wieder tief aufatmen, die Welt war wieder in Ordnung. Er suchte und fand Wohlbefinden vor allem dann, wenn er die Anforderungen des Tages tadellos bewältigen konnte.

Bei 1,70 Meter schieden zwei  Athleten aus, natürlich unfreiwillig und auch unerklärlich!!!!!. Bei vielen Teilnehmer lagen die Nerven blank. So ging es auch Nathanael, der gegen Ende des Wettbewerbes gemischte Gefühlen hatte. Nun aber gab Trainer Gilgien Nathanael nach jedem Sprung die letzten Prozente, die den Unterschied machten. Sein Geheimnis ist wie er springt..!!!………………………….

Die Höhe von 1,75m wurde für weitere acht  Athleten zum Verhängnis. Sie mussten ihre hohen Erwartungen begraben, obwohl sich alle mit 1,76m mehrmals im Laufe des Jahres qualifiziert hatten. Bei 1,78m blieben vier Hochspringer im Wettbewerb übrig. Nathanael musste vorlegen. Es wurde dramatisch. Im letzten und dritten Versuch ging es um alles oder nichts. Nathanael aus Württemberg meisterte nervenstark die aufgelegte Höhe sowie zwei weitere Athleten, einer aus Baden und einer aus Bayern. Ein Protagonist musste leider ausschneiden, aber Nutznießer auf eine Medaille und einen Podiumsplatz war Nathanel Bordne nun sicher geworden. Ab jetzt wurde alles auf eine Karte gesetzt. Bei 1,81m agierte er zu wenig in der Luft. Leider verpasste er so knapp die Qualifikation für die Deutschen Meisterschaften, die dieses Jahr in Bremen Mitte August stattfinden werden. Mit den übergesprungenen 1,78m steht er jetzt allein auf Rang 2 der Württembergischen Bestenliste. Mit der Verbesserung seiner Freiluftbestleistung um gleich 11 Zentimeter stellte er gleichzeitig eine neue Vereinsrekordbestmarke auf.

Es war ein tolles Erlebnis. Nathnael kann mit etwas Abstand stolz auf die gezeigte Leistung sein, – auch wenn der Traum von einer Qualifikation für die Deutschen Meisterschaften nicht wahr wurde. Seine auffallende Schüchternheit scheint seine momentane Entwicklung etwas zu bremsen. Trotzdem versucht der Trainer ihn zu unterstützen.

Fazit: Nebst den sportlichen Erfolgen dürfte die umfassende Vorarbeit, sowie die geschickte Gesamtregie von Jean-Claude Gilgien (Jack) nicht unerwähnt bleiben.  Intelligence plus character – that is the goal of true education.

By TVP Webmaster Allgemein Leichtathletik Share: